Das wissende Bild: Selbstständige Nachwuchsgruppe am Kunsthistorischen Institut in Florenz Max-Planck-Institut

Das wissende Bild: Selbstständige Nachwuchsgruppe am Kunsthistorischen Institut in Florenz

Links

Assoziierte Wissenschaftler

Prof. Dr. Volker Scherliess, Musikhochschule Lübeck

Musikallegorien in der Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts

G. P. HarsdörfferG. P. Harsdörffer: Erquickstunden (1636)Die Darstellung von Musikinstrumenten und musizierenden Personen bietet ein weites Feld für kunst- wie musikhistorische Fragestellungen. Sie reichen von der Dokumentation bestimmter Instrumente, ihrer Spielweise und Kombination im Ensemble über die wechselnde soziale Zuordnung bis zu mythologischen, theologischen und allegorischen Deutungen. Ein Instrument kann einerseits für sich selbst stehen und die Erfahrung erlebter Musik im weltlichen oder kirchlichen Bereich widerspiegeln. Andererseits kann es auf bestimmte klingende Musik verweisen (als Attribut ländlichen Lebens, herrschaftlicher Repräsentation u. ä.), eine historische oder allegorische Figur bezeichnen (David, Apollo, Orpheus, S. Cecilia, Musica usw.) oder eine Darstellung allegorisch überhöhen. Von besonderem Interesse sind einzelne Personen mit Instrument oder mehrfigurige Szenen, bei denen sich reale Musizierpraxis und übergeordnete Bedeutung nicht strikt trennen lassen, sondern ineinander übergehen. Während die musikwissenschaftliche Fragestellung sich in solchen Fällen oft darauf beschränkt, Instrumente oder Ensembles lediglich als Abbilder realistischer Musiziersituationen zu betrachten, sie beispielsweise als Belege für die historische Aufführungspraxis alter Musik benutzt und weiterführende Verweise außer Acht lässt, müssen für eine angemessene Interpretation natürlich zunächst die kunsthistorischen Zusammenhänge analysiert werden. Dabei ist wichtig, jedes Beispiel für sich zu betrachten und den jeweiligen Kontext von Fall zu Fall zu untersuchen.
Ein Topos in den Musikdarstellungen ist die Harmonie-Allegorie, die beispielsweise durch ein mehrsaitiges, gestimmtes (d. h. akkordiertes) Instrument oder auch durch die Resonanz mehrerer Instrumente versinnbildlicht werden kann. So gibt Georg Philipp Harsdörffer in seinen Philosophischen und Mathematischen Erquickstunden (Delitiae Philosophicae et Mathematicae, Nürnberg 1636) unter dem Motto „Gottseeligkeit/ Und Todes Zeit/ Stimmt gleiche Sait." das Bild eines Jünglings und des Todes, die jeweils Laute spielen.
Darunter „sitzen beede gegeneinander/ und stimmen ihre Lauten: anzuzeigen; dass der Tod dem vorhergeführten Leben pflege gleich zu seyn. Hast du dein Leben wohl geführt; so wirst du auch wohl sterben: hast du es aber übel geführt; so wirst du auch übel sterben." Solche, musikalisch versinnbildlichte Übereinstimmung von Unterschiedlichem („harmonia est discordia consors" bzw. „harmonia est concordia discors") begegnet auf allen Ebenen - von der Emblematik bis zu mehrfigurigen Darstellungen. Insbesonderein ihnen, den als Concerti, Musizierende  Gesellschaften usw. bezeichneten Gruppenbildern, kann es aus musikwissenschaftlicher Sicht sinnvoll sein, die Zusammenhänge zwischen musikalischem Motiv und allegorischer Aussage (häufig: Harmonie, Liebe, politische Eintracht; aber auch Laster, Vergänglichkeit usw.) im einzelnen zu untersuchen und neu zu bedenken.

 

Prof. Dr. Thomas Leinkauf, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Philosophisches Seminar

Forschungen zum ‚Bild‘-Begriff in der Frühen Neuzeit im confinium von Philosophie, Kunst und Wissenschaft

G. Bruno: Cantus CircaeusGiordano Bruno: Cantus CircaeusForschungen zum Wissens-Begriff in der Frühen Neuzeit mit Blick auf Darstellungsformen in der gleichzeitigen Kunstentwicklung. Insbesondere wurden die Bildbegriffe bei Nicolaus Cusanus, Marsilio Ficino und Giordano Bruno untersucht undmit der Kunsttheorie Leon Battista Albertis konfrontiert. Aufgezeigt werden konnten so Wechselwirkungen zwischen Philosophie und Malereitraktaten, aber auch spezifische Differenzen. Die Ergebnisse wurden bei einem Vortrag sowie im Rahmen eines Workshops der Selbständigen Nachwuchsgruppe präsentiert und diskutiert. In Konfrontation mit den Studien Claus Zittels zu Bildstrategien in der Wissenschaft des 17. Jahrhunderts konnten die Unterschiede zwischen den stark geometrisierenden Bildprogrammen der Renaissancephilosophien und den insbesondere von Descartes eingesetzten Bildern, die sowohl mit mimetischen als auch diagrammatischen Formen operieren, herausgearbeitet und scharf konturiert werden. Es ist geplant, einen Workshop, der diese Fragen anhand der Aufnahme und Umgestaltung von cartesischen Bildern bei den Anhängern und Gegnern Descartes' im 17. Jahrhundert vertiefen soll, gemeinsam mit der Selbständigen Nachwuchsgruppe (Max Planck Research Group) im Jahr 2009 durchzuführen.

 

Vera Koppenleitner, M. A.

Stadtbrand und Vulkanausbruch. Traditionen und Funktionen des Katastrophenbildes im 17. Jahrhundert

Das Dissertationsprojekt untersucht die Genese und Funktion bildlicher Darstellungen von Katastrophen im 17. Jahrhundert. Ziel der Arbeit ist es, die in Bildern von zerstörerischen Elementarkräften eingeschriebenen Wahrnehmungs- und Deutungsmuster frühneuzeitlicher Kulturen freizulegen. Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei in ihrem Ausmaß und ihrer medialen Reichweite herausragende Ereignisse: der Ausbruch des Vesuv 1631 und der Große Brand von London 1666. Gerade die komparatistische Betrachtung zweier scheinbar so unterschiedlicher, ja singulärer Ereignisse in ihrer künstlerischen Transformation erlaubt es, zugrundeliegende Deutungs- und Darstellungskonventionen und zugleich wesentliche Merkmale eines Bildtypus zu bestimmen, der hier mit dem Terminus des „Katastrophenbildes“ bezeichnet wird.

Kontakt: