Das wissende Bild: Selbstständige Nachwuchsgruppe am Kunsthistorischen Institut in Florenz Max-Planck-Institut

Das wissende Bild: Selbstständige Nachwuchsgruppe am Kunsthistorischen Institut in Florenz

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Projekte: Michael Thimann

Bilddiskurse in deutscher Sprache: Begriffsgeschichte und Denkraum

A. Kauffmann: WinckelmannA. Kauffmann: WinckelmannDas Projekt widmet sich dem Zusammenhang von Kunsttheorie und Bilddiskursen in deutscher Sprache. Schwerpunkte liegen dabei auf der Kunsttheorie der Barockzeit vom 17. Jahrhundert bis zu Winckelmann und der Epochenschwelle um 1800, auf Klassik und Romantik. Eine systematische Untersuchung der deutschsprachigen Kunsttheorie, die zumeist als Plagiat und Übersetzung europäischer Normen gedeutet wird, fehlt bisher. Neben der begriffsgeschichtlichen Grundlagenarbeit ist zu fragen,J. Saubert: Geistliche GemäldeJ. Saubert: Geistliche Gemälde welche Denkräume Begriffe eröffnen und wie sich diese zu den Konzeptionalisierungen des Bildes verhalten (etwa: künstlerische und naturkundliche, „geistliche" und „weltliche" Bilder, Emblematik, Gattungen der Malerei, Plastik etc.). Eine kritische Sichtung darf auch die ‚Eindeutschung' internationaler Begriffe und die Übersetzung kunsttheoretischer Schriften aus Italien, Frankreich, England usw. nicht nur als Rezeptionsphänomen bewerten. Begriffe wie „Mahlerey", „Schilderey", „Bildkunst", „Bild", „Gemähl", „vollständiges Bild", „gantzes Bild", „Hauptgemählde", „Conterfey", „Sinnbild", „Emblema", „Allegorie" etc. sind in ihrer historischen Semantik zu beschreiben und auf die künstlerische Praxis zu beziehen.

Auch das enzyklopädische Schrifttum liefert hier viel Material, das von der ganz auf die eigentliche „Kunstliteratur" konzentrierten Forschung bisher unzureichend beachtet wurde. Als erste Ergebnisse liegen eine Analyse zu Sandrart (Gedächtnis und Bild-Kunst. Die Ordnung des Künstlerwissen in J. v. Sandrarts Teutscher Academie, Freiburg i. Br. 2007) und eine Edition vor (Georg Philipp Harsdörffer: Kunstverständiger Discurs von der edlen Mahlerey, Nürnberg 1652, Heidelberg 2008). Vorstellung des Projekts auf der Tagung Quellen der Erkenntnis? Die Kunstliteratur der Frühen Neuzeit, München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 21./22. November 2008.

 

Götter-Bilder

Die Arbeit am Mythos als europäisches Projekt der Frühen Neuzeit Michael Thimann, in Verbindung mit Ulrich Pfisterer und Frank Büttner

Vasari: Merkur (Palazzo Vecchio)Vasari: Merkur, Palazzo VecchioMythologisches Wissen und Denken in mythologischen Figurationen basiert in der Frühen Neuzeit mindestens so sehr auf Bildern wie auf Texten. Das Projekt widmet sich dem Problem der Götterbilder in seiner ganzen historischen Erstreckung in der Frühen Neuzeit von etwa 1350 bis 1800. Grundsätzlich wird dabei das Phantasie-Potential der Götterbilder für die epistemologische Fundierung des profanen Bildes in der Frühen Neuzeit problematisiert. Wie läßt sich dieses Problem aber beschreiben, ohne in eine Neuauflage von Warburgs Formel des „Nachlebens der Antike" mit ihrer problematischen Emphase und energetischen Metaphorik zu verfallen? Für die Frühe Neuzeit gilt ganz allgemein, daß die Auseinandersetzung mit Mythen wesentlich zur Genese neuer „Bildsprachen", zu einer Ausbildung des National-Gedankens, einer „europäischen Identität" aber durch die neuentdeckten außereuropäischen Götterbilder auch zu einer globalen Perspektive auf das Problem des Bildes beitrugen. Die europäische Renaissance ist zweifellos, bei unangefochtenem Status des einen jüdisch-christlichen Gottes, eine Wiederkehr der vielen Götter. Und dies gilt nicht nur in Hinsicht auf die künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung mit der griechisch-römischen, zuletzt auch der christlichen und germanischen Antike in der Frühen Neuzeit. Die Entdeckung der Neuen Welt belebte gerade im 17. Jh. das mythologisch-dämonologische Interesse, weil die christlichen Missionare und Eroberer auf Religionen und Götter stießen, die man zunächst mit Hilfe alttestamentarisch-antiker Vorgaben (Moses, Homer und Plinius) zu sortieren suchte. Unter dem Druck dieser Suchbilder fand man in Amerika, Afrika, Indien, China, Japan und anderswo die alten tot geglaubten Götter, Dämonen, Zyklopen und Amazonen etc. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, daß es viele (Bild)kulturen und Kulte gab, die sich nicht mit der europäischen Antike harmonisieren ließen, sondern nach neuen Bewältigungsstrategien und hermeneutischen Modellen verlangten. Es wird gefragt, wie in der Frühen Neuzeit der Alterität fremder Kulte und Bilder begegnet wurde: Ging es primär um eine Bestätigung der eigenen Tradition und eine Integration des neuen Wissens oder wurde das „Fremde" auch in seinem grundsätzlichen Anderssein reflektiert und produktiv in die Bildpraxis eingebracht? Aus dem Wissensschub des 16./17. Jahrhunderts entspringt eine für die Bildgeschichte hochkomplexe Überlieferung, die das im Rahmen der Kooperation mit der LMU München projektierte Handbuch der Mythographie beschreiben wird. Gelöst von dem Begriff des „Nachlebens" soll nach der Konzeptionalisierung von Götterbildern in klar umrissenen funktionalen und intellektuellen Kontexten gefragt werden. Die Verwendung mythologischer Bilder im Feld der politischen Allegorie und die longue durée mythologischer Bildprägungen in Naturgeschichte und Naturphilosophie wären hier als bisher wenig systematisch erforschte Gebiete zu nennen. Auch Antikenparodien nehmen einen wichtigen Platz in der Rezeption und Umdeutung der Antike ein. Gegen eine Heuristik der Kontinuität des „Nachlebens" der Bilder ist nach den Brüchen und Transformationen zu fragen, die ganz besonders deutlich um 1400, um 1600 und um 1800 greifbar werden. Das Projekt wird in Kooperation mit der LMU München, SFB 573 Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit, Teilprojekt B2: Formen und Funktionen des Bildes in der Frühen Neuzeit, Leiter Prof. Dr. Frank Büttner und Prof. Dr. Ulrich Pfisterer, durchgeführt. Geplant ist neben zwei Tagungen auch die Herausgabe eines bildwissenschaftliches Handbuch zur Mythographie.

 

Ernst Platner

Über Schicks Laufbahn und Charakter als Künstler (1813). Kritische Edition

Schick: SelbstportraitSchick: SelbstportraitErste wissenschaftliche Edition der für die Kunst- und Ideengeschichte des deutschen Klassizismus zentralen Vita des Malers Christian Gottlieb Schick (1776-1812). Hg. und kommentiert von Michael Thimann; erscheint 2009 in der Reihe Texte zur Wissensgeschichte der Kunst im Manutius-Verlag Heidelberg