Gegenstand des Dissertationsprojekts sind die Radierungen zu Fest- und Theateraufführungen des Florentiner Graphikers Stefano della Bella, die hauptsächlich im Auftrag der Medici zwischen 1628 und 1661 entstanden. Della Bellas komplexe Visualisierungen waren integraler Bestandteil der höfischen Festkultur, die zur Medialisierung von Herrschaftsrepräsentation funktionalisiert wurde, und dabei zugleich künstlerisch eigenständige Werke. Stefano della Bella war nach Jacques Callot, der 1621 Florenz verließ, der maßgebliche Graphiker, der zwischen 1628 und 1661 beinahe alle Erscheinungsformen von Fest- und Theaterereignissen radierte: vom Bankett zur Prozession, von den Bühnenbildern der Opern und Komödien über die Exequien-Feiern bis hin zum Rossballett. Damit prägte er für den genannten Zeitraum die Ikonographie der mediceischen Festkultur. Die dynamische Wechselbeziehung zwischen dem Fest als Sujet, dem Medium der Radierung und dem Künstler, der seine Erfindungskraft anhand von Thema und Technik erprobt und entfaltet, bildet den Ausgangspunkt für den Zugang zu den Festbildern. Es soll herausgearbeitet werden, wie in della Bellas Darstellungen Herrschaftsrepräsentation, künstlerische Erfindungskraft und Wissensordnungen als bildlich konstituierte Parameter ineinander greifen. Feste wurden als Spektakel konzipiert, in denen Sehen und Wahrnehmen in einem räumlichen Kontext abliefen, der für die Inszenierung von rationaler Ordnung - in Form des perspektivisch organisierten Bühnenraums oder der choreographischen Formationen der Ballette - und deren Überwältigung durch kontinuierliche Verwandlung und spektakuläre, überraschende Effekte eingerichtet wurde. Auf diesen komplex strukturierten ästhetischen Erfahrungsraum sind della Bellas Festbilder vielschichtig bezogen, sie bringen aber eine eigene, dauerhafte Sichtbarkeit der Spektakel hervor. Die Radierungen bieten eine synthetisierende und rationalisierte Vergegenwärtigung der zeitlichen, räumlichen und visuellen Gegebenheiten der Spektakel. Die Untersuchung der Visualisierungsstrategien della Bellas soll zeigen, auf welche Weise seine Radierungen die ephemeren Festereignisse vergegenwärtigen und im graphischen Medium erfahrbar machen.
S. della Bella: Figuren des RossballettsDie höfische Festkultur der Medici im Florenz der Frühen Neuzeit ist uns heute vor allem dank gedruckter Festbeschreibungen oder Libretti mit begleitenden Radierungen bekannt, die von den toskanischen Großherzögen in Auftrag gegeben worden waren. Diese Publikationen richteten sich an die lokale sowie an die europäische Öffentlichkeit. Die Radierungen aus diesem Kontext waren nicht nur Teil eines politischen Diskurses, sondern auch Gegenstand kunstästhetischer Betrachtung und Wertschätzung.