Das wissende Bild: Selbstständige Nachwuchsgruppe am Kunsthistorischen Institut in Florenz Max-Planck-Institut

Das wissende Bild: Selbstständige Nachwuchsgruppe am Kunsthistorischen Institut in Florenz

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Projekte: Heiko Damm

Kanonbehauptung und Wissensrepräsentation in der Galleria Buonarroti

Die Untersuchung nimmt mit der 1874 musealisierten Casa Buonarroti eine zugleich intime und repräsentative Raumfolge in den Blick und widmet sich deren singulärer Verbindung von Wohn-, Werk- und Gedenkstätte, vor allem aber den Besonderheiten eines Bildprogramms, das rund fünfzig Jahre nach Michelangelos Tod dessen Stellung als paradigmatische, disziplinenübergreifende Künstlerfigur für die nachfolgenden Generationen festzuschreiben sucht. Auszugehen ist dabei von der persönlichen Strahlkraft des Ideators und Auftraggebers Michelangelo Buonarroti il Giovane (1568-1647), der als profilierter Autor, Sammler und Mäzen, Genealoge und Heraldiker, Freund Galileis und Maffeo Barberinis (Urbans VIII.) sowie zahlreicher Maler, Bildhauer, Musiker und Literaten das kulturelle Leben in Florenz vor allem im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. Gerade im Hinblick auf die Rolle des Intellektuellen bei der Verwaltung eines ideellen Erbes gilt es seine vielfältigen und eigenwillig verknüpften Interessen deutlicher herauszuarbeiten. Der Fokus wird aber auf der mit hohem Anspruch betriebenen Ausstattung seiner Galleria liegen, deren vielschichtige Ebenen der Anspielung und semantischen Aufladung den Strategien der zeitgenössischen historiographischen und panegyrischen Texte vergleichend zur Seite gestellt werden sollen. Denn die Maler der Accademia del Disegno gestalten die Vita des älteren Michelangelo Buonarroti hier in einer schlüssigen Sequenz als politisch und poetisch funktionalisierte Bilderzählung, die gleich in mehrfacher Hinsicht zur Kanonbildung beiträgt: Zum einen ist sie Affirmation der schon im mittleren Cinquecento sich andeutenden Ausnahmerolle des "Divino" als Repräsentant seiner Vaterstadt, politischer Faktor und theoretischer Kopf, zum anderen seine mit Mitteln der Hagiographie betriebene Etablierung als Modell des absoluten Künstlers und überzeitliche Leitfigur. Aura des Ortes (als Kontaktreliquie und Heimstatt der stirps), literarische und visuelle Inszenierung wirken hierbei in beispielloser Weise zusammen und können gerade im Vergleich zu aristokratischen Raumanlagen der Zeit die ästhetischen und sozialen Ambitionen des jüngeren Buonarroti veranschaulichen. Zugleich Festspielintendant am Medici-Hof und aktives Mitglied der Accademia della Crusca, der Accademia del Disegno und der Accademia degli Elevati, wirkte er als Integrationsfigur der verschiedenen Institutionen mit ihren zum Teil divergierenden Interessen. Mit dem Umbau seines Wohnsitzes in der Via Ghibellina ab 1612 und dessen sukzessiver Ausgestaltung integriert er die Hinterlassenschaft seines Großonkels in einen facettenreichen, vielfältiges Wissen vermittelnden Memorialraum, der neben dem Allroundkünstler auch den Dichter und "Denker", den Patrioten und Edelmann Michelangelo ehren will und in der Durchdringung von familiärer Pietas, persönlichem Ehrgeiz und lokaler Identitätssstiftung die Nobilitierung der Casa Buonarroti in einem umfassenden Sinn betreibt.